Materialien verstehen. Oberflächen vergleichen. Das passende Dach auswählen.
Diese Seite erklärt verständlich und herstellerneutral, woraus Dächer bestehen, welche Ziegelformen und Oberflächen es gibt und welche Bauteile ein Dach komplett machen. Sie ersetzt keine Beratung vor Ort, hilft aber bei einer ersten Auswahl für Neubau oder Sanierung.
FormBiberschwanz
MaterialTon
OberflächeEdelengobe
Drei verschiedene Dinge: Ein Biberschwanz ist eine Form, Ton ist ein Material und eine Edelengobe ist eine Oberfläche. Deshalb sind sie auf dieser Seite getrennt erklärt.
01
Materialien
Woraus die Deckung besteht. Jedes Material hat eigene Stärken, Anforderungen an den Dachaufbau und eine eigene Optik.
Tondachziegel
Gebrannte Dachdeckung aus keramischen Rohstoffen wie Ton und Lehm. Unterschiedliche Formen, Farben und Oberflächen ermöglichen traditionelle und moderne Dachbilder.
Details
Verwendung
Geneigte Dächer bei Neubau und Sanierung.
Haltbarkeit
Viele Jahrzehnte sind möglich. Materialqualität, Frostbeständigkeit, Standort, Verlegung und Wartung beeinflussen die tatsächliche Nutzungsdauer.
Hinweise zur Verarbeitung
Deckmaß (die sichtbare Fläche eines Ziegels im verlegten Zustand), Lattung, Überdeckung und Windsogsicherung (Befestigung gegen Abheben durch Wind) müssen zum gewählten Modell passen.
Betondachsteine
Dachsteine aus Sand, Zement, Wasser und Farbpigmenten. Erhältlich als profilierte Dachpfannen und als ebene Dachsteine.
Details
Verwendung
Geneigte Dächer, sowohl bei Neubauten als auch bei Sanierungen.
Haltbarkeit
Eine Nutzung über viele Jahrzehnte ist möglich. Optische Alterung, etwa nachlassende Farbintensität, ist von funktionalen Schäden zu unterscheiden.
Hinweise zur Verarbeitung
Gewicht, Tragfähigkeit des Dachstuhls, Lattung, Befestigung und das passende Zubehör müssen berücksichtigt werden.
Naturschiefer
Ein natürliches Gestein, das in dünne Platten gespalten wird. Struktur, Format und Deckart bestimmen das Dachbild – von der handwerklichen Altdeutschen Deckung bis zur geradlinigen Rechteckdeckung.
Details
Verwendung
Dächer, Gauben und Fassaden – an historischen wie an modernen Gebäuden.
Haltbarkeit
Hochwertiger Dachschiefer kann unter geeigneten Bedingungen mehr als 100 Jahre halten. Das ist keine pauschale Lebensdauerzusage für den gesamten Dachaufbau.
Deckarten
Bei der Altdeutschen Deckung werden die Steine von Hand zugerichtet, breite und schmale Steine wechseln sich ab. Die Schuppendeckung nutzt gleich große, vorgefertigte Steine und wirkt regelmäßiger. Die Rechteck-Doppeldeckung ergibt ein geradliniges, modernes Bild.
Hinweise zur Verarbeitung
Deckart, Überdeckung, Befestigung und Untergrund müssen zusammenpassen. Anspruchsvolle Deckungen und Anschlüsse erfordern Erfahrung in der Schieferverarbeitung.
Bitumenschindeln
Schindeln aus bituminösem Material, zum Beispiel mit einer Einlage aus Glasvlies und einer Oberfläche aus mineralischer Bestreuung.
Details
Verwendung
Geeignete geneigte Dächer an Wohn- und Nebengebäuden – abhängig vom jeweiligen System.
Haltbarkeit
Stark abhängig von Produktqualität, Witterung, Befestigung und dem Feuchteschutz des Dachaufbaus.
Hinweise zur Verarbeitung
Erforderlich sind eine geeignete flächige Deckunterlage, zum Beispiel eine Holzschalung, sowie passende Vordeckung (eine Bahn unter den Schindeln) und Anschlüsse.
Holzschindeln
Kleine, überlappend verlegte Deckelemente aus Holz. Holzart, Herstellung und die natürliche Vergrauung prägen die Optik.
Details
Verwendung
Traditionelle und regionale Architektur, auf Dächern und an Fassaden.
Haltbarkeit
Besonders abhängig von Holzqualität, Dachneigung und davon, ob das Holz nach Niederschlägen wieder austrocknen kann.
Hinweise zur Verarbeitung
Feuchteverhalten, Überdeckung und Befestigung müssen fachgerecht berücksichtigt werden. Örtliche Vorgaben, etwa zum Brandschutz, sind vorab zu klären.
Metalldeckungen
Deckungen aus Blech, zum Beispiel aus Aluminium, Kupfer, Zink oder beschichtetem Stahl – als lange Bahnen mit Falz oder als kleinformatige Dachplatten.
Details
Verwendung
Dächer, Gauben, Türme und Erker; je nach System auch für flacher geneigte Dächer und zur Sanierung bestehender Dächer.
Haltbarkeit
Abhängig von Metall, Beschichtung, Materialdicke, Befestigung und Umgebung.
Hinweise zur Verarbeitung
Metall dehnt sich bei Wärme aus; Befestigung und Anschlüsse müssen das aufnehmen. Unterlage und Trennlage richten sich nach dem System. Unterschiedliche Metalle dürfen nicht ungeschützt in Kontakt kommen, sonst droht Korrosion.
02
Ziegelformen
Die Form bestimmt das Dachbild. Viele Ziegel sind Falzziegel: Rippen und Rinnen an den Rändern (Falze) greifen ineinander und führen das Wasser ab. Die meisten Formen gibt es aus Ton, einige auch aus Beton.
Biberschwanz
Flacher Ziegel mit zum Beispiel rundem, geradem oder spitzem Abschluss. Die überlappende Verlegung erzeugt ein kleinteiliges, traditionelles Dachbild.
Details
Verwendung
Altbauten, Denkmalpflege und Neubauten mit klassischer Gestaltung.
Doppel- oder Kronendeckung
Bei der Doppeldeckung liegt auf jeder Latte eine Ziegelreihe; die Reihen überdecken sich so stark, dass die Fläche überall mindestens zweilagig ist. Bei der Kronendeckung liegen auf jeder Latte zwei Ziegelreihen übereinander.
Hinweise zur Verarbeitung
Materialbedarf, Gewicht und Arbeitsaufwand sind höher als bei großformatigen Ziegeln und sollten bei der Planung berücksichtigt werden.
Doppelmuldenfalzziegel
Falzziegel mit zwei charakteristischen Mulden je Ziegel. Die Form erzeugt ein deutlich gegliedertes, traditionelles Dachbild.
Details
Wirkung
Kräftige Längsstruktur, typisch für viele Bestandsdächer in Deutschland.
Hinweise zur Verarbeitung
Lattweite und Zubehör richten sich nach dem gewählten Modell.
Reformziegel
Falzziegel mit vergleichsweise ruhiger Kontur. Geeignet für klassische und zurückhaltend moderne Dachgestaltungen.
Details
Wirkung
Gleichmäßiges Dachbild mit dezenter Struktur.
Hinweise zur Verarbeitung
Lattweite und Zubehör richten sich nach dem gewählten Modell.
Hohlfalzziegel
Geschwungene Ziegelform mit Verfalzung. Das Deckbild wirkt plastisch und wellenartig.
Details
Wirkung
Lebendiges Licht- und Schattenspiel auf der Dachfläche, traditionell geprägt.
Hinweise zur Verarbeitung
Lattweite und Zubehör richten sich nach dem gewählten Modell.
Ebene Dachziegel und Dachsteine
Eine flache Ansichtsfläche ergibt ein geradliniges, modernes Dachbild. Solche Deckelemente gibt es aus Ton und aus Beton.
Details
Begriffe
Namen wie „Tegalit“ sind Produktnamen eines Herstellers für einen ebenen Betondachstein – keine eigene Materialgruppe.
Gut zu wissen
„Flachdachziegel“ bezeichnet einen flachen Ziegel für geneigte Dächer. Für waagerechte Flachdächer ist er nicht gedacht.
Hinweise zur Verarbeitung
Die Regeldachneigung und das Zubehör richten sich nach dem jeweiligen Modell.
Mönch und Nonne
Traditionelle Deckung aus zwei Ziegelarten: Die rinnenförmigen „Nonnen“ führen das Wasser ab, die gewölbten „Mönche“ decken die Fugen dazwischen ab.
Details
Verwendung
Charakteristisch für historische und mediterran geprägte Architektur.
Hinweise zur Verarbeitung
Die Deckung ist kleinteilig und handwerklich aufwendig; Befestigung und Anschlüsse brauchen besondere Sorgfalt.
03
Oberflächen
Bei Tondachziegeln entscheidet die Oberfläche über Farbe und Glanz. Die Fotos zeigen dasselbe Ziegelmodell in vier Oberflächen.
Naturbelassen / naturrot
Die Farbe entsteht aus der Zusammensetzung der Rohstoffe und dem Brennvorgang – ohne zusätzlichen farbigen Auftrag. Natürliche Farbnuancen sind möglich.
Details
Wirkung
Matt, warm, mit leichtem Farbspiel von Ziegel zu Ziegel.
Engobiert
Eine mineralische Tonschlämme (Engobe) wird vor dem Brennen aufgetragen und verbindet sich dabei mit dem Ziegel.
Details
Wirkung
Ermöglicht andere Farbtöne als Naturrot, zum Beispiel Anthrazit oder Schwarz. Die Oberfläche ist häufig matt.
Edelengobe / Glanzengobe
Eine Engobe mit glasbildenden Zusätzen. Sie kann seidig bis deutlich glänzend wirken.
Details
Abgrenzung
Eine Edelengobe bildet keine durchgängige Glasschicht wie eine Glasur.
Glasiert
Beim Brennen entsteht eine zusammenhängende, glasartige Schicht auf der Oberfläche.
Details
Wirkung
Je nach Ausführung sind unterschiedliche Farben und Glanzgrade möglich – von dezent bis stark glänzend.
Oberflächen unterscheiden sich in Farbe, Glanz und Verschmutzungsverhalten. Eine Glasur oder Edelengobe garantiert weder Moosfreiheit noch automatisch eine längere Lebensdauer. Und: Ob ein einzelner Ziegel Feuchtigkeit durchlässt, ersetzt nicht die Feuchteplanung des gesamten Daches.
04
Die Details machen das Dach komplett
Neben der Fläche entscheiden die Übergänge und Bauteile darüber, ob ein Dach dauerhaft dicht und funktionsfähig ist.
Das Dach im Detail01 — 09
Dachkomponenten im ÜberblickNummer auswählen und Bauteil entdecken.
Vom First bis zur Traufe
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01 / 09
First
Die obere Schnittlinie zweier Dachflächen. Passende Abdeckungen schützen diesen Übergang.
Metall und Beschichtung, Unterkonstruktion, Anschlüsse
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Dachziegel und Dachstein?
Dachziegel bestehen aus Ton und werden gebrannt. Dachsteine bestehen aus Beton – also aus Sand, Zement, Wasser und Farbpigmenten – und härten ohne Brand aus. Umgangssprachlich wird oft beides „Ziegel“ genannt.
Ist ein glasierter Ziegel automatisch besser?
Nein. Eine Glasur verändert vor allem Farbe, Glanz und das Verschmutzungsverhalten. Sie garantiert weder Moosfreiheit noch automatisch eine längere Lebensdauer. Entscheidend sind die Qualität des Ziegels, die passende Dachneigung und eine fachgerechte Verlegung.
Was unterscheidet Engobe und Edelengobe?
Beide werden vor dem Brennen als Tonschlämme aufgetragen. Die Edelengobe enthält zusätzlich glasbildende Bestandteile und wirkt dadurch seidig bis glänzend. Eine durchgängige Glasschicht wie eine Glasur bildet sie nicht.
Passt jeder Ziegel auf jedes Dach?
Nein. Dachneigung, Lattung, die Tragfähigkeit des Dachstuhls, Form und Größe der Dachflächen, Anschlüsse sowie örtliche Vorgaben wie Bebauungsplan oder Denkmalschutz bestimmen, welche Deckung infrage kommt.
Was bedeutet Regeldachneigung?
Die Regeldachneigung ist die unter normalen Bedingungen maßgebliche Dachneigung für eine bestimmte Deckung. Wird sie unterschritten, können zusätzliche Maßnahmen nötig werden, etwa eine höherwertige Unterdeckung. Davon zu unterscheiden ist die Mindestdachneigung: die Untergrenze, unterhalb der eine Deckung nicht mehr zulässig ist. Die Werte hängen von Deckung und Modell ab.
Ist Moos automatisch ein Zeichen für ein undichtes Dach?
Nein. Moos zeigt vor allem, dass eine Dachfläche lange feucht bleibt, etwa durch Schatten oder Bäume. Es kann aber den Wasserablauf behindern und sollte beobachtet werden. Eine Reinigung sollte schonend und fachgerecht erfolgen, damit die Oberfläche keinen Schaden nimmt.
Kann eine Solaranlage auf diesen Deckungen montiert werden?
Für die gängigen Deckungen gibt es passende Befestigungssysteme. Ob und wie eine Anlage montiert werden kann, hängt von Deckung, Dachaufbau, Tragfähigkeit und den Lasten aus Wind und Schnee ab. Durchdringungen der Deckung müssen regensicher ausgeführt werden.
Warum ist die Haltbarkeit der Deckung nicht gleich der Haltbarkeit des gesamten Daches?
Ein Dach besteht aus vielen Schichten: Tragwerk, Unterdeckung, Lattung, Dämmung, Anschlüsse, Bleche und Rinnen. Diese Teile altern unterschiedlich schnell. Schwachstellen liegen oft an Anschlüssen und Durchdringungen – nicht in der Fläche.
Welches Material passt zu Ihrem Dach?
Wir beraten Sie zu Optik, Dachaufbau und den technischen Möglichkeiten Ihres Gebäudes.
Die Darstellungen von Dachmaterialien und Dachkomponenten zeigen Aufbau und Bauteile vereinfacht und sind nicht maßstäblich. Projektfotos sind separat als solche erkennbar.